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Bücher zum Thema "Gesellschaft" - Übersicht:

Alles in Butter - oder was?
Assassini
Auf ein Wort
Aufgeklärte Religion - ein Weg zum Frieden
Business Reframing - Das Ende der Moden im Management
Das Aikido-Prinzip
Das Gesetz über dem Recht
Das größte Geheimnis, Teil 1
Das Schiff der Visionen
Der Schwarm
Die 68er: "Macht kaputt, was Euch kaputt macht!"
Die Entdeckung des Himmels
Die heilige Matrix
Die Jack-Welch-Methode
Die Kraft gelebter Visionen
Die weiße Massai
Exponentialdrift
Familie Haus Arbeit Auto CityEl
Grameen
Hände weg von diesem Buch
Illuminati
Ismael
Mein Weg führt nach Tibet
Menschenjagd
Mythos Motivation
Psychopolitik
Richtig bewerben - Wie Sie Ihren Traumjob finden
Sakrileg
Treibhäuser der Zukunft
Von der Micky Mouse zum Weltkonzern
Wachstum an Menschlichkeit - Humanismus als Grundlage
Weltmacht USA - ein Nachruf
Wer weint schon um Abdul und Tanaya? Die Irrtümer des Kreuzzugs gegen den Terror
Wir Untertanen
Zurück aus Afrika



Wer weint schon um Abdul und Tanaya? Die Irrtümer des Kreuzzugs gegen den Terror, Jürgen Todenhöfer: Der Autor, stellvertretender Vorsitzender der Hubert Burda Media Holding, früheres Bundestagsmitglied über fünf Legislaturperioden hinweg, und Experte für Fragen der Entwicklungs- und Rüstungskontrollpolitik beleuchtet in diesem lesenswerten Buch die sinnlose amerikanische Strategie, Terrorismus mit Krieg zu beantworten, wie dies nach dem angeblichen Anschlag auf das World-Trade-Center (WTC) am 11.9.2001 geschehen ist durch den Krieg gegen Afghanistan und später den Irak. Leider stellt der Autor nie die durch keinerlei Beweise erhärtete Theorie in Frage, dass die Anschläge auf das Konto einer arabischen Terrororganisation um Osama bin Laden gehen, trotzdem er andererseits erwähnt, dass die Amerikaner gezielte Friedensangebote der Taliban bzgl. der Auslieferung der angeblich Schuldigen an ein neutrales Land ablehnten. Wichtiger als das Finden des angeblich Schuldigen war den Amerikanern offensichtlich, einen wichtigen Stützpunkt in Afghanistan zu erlangen. Wenn er über den RAF-Terror spricht, so bringt er seine Verachtung zum Ausdruck über die Härte gegen ihre Opfer, ohne zu untersuchen, ob hinter ihren Motiven reale gesellschaftliche Mißstände in der Gesellschaft lagen, und ohne zu erwähnen, dass möglicherweise gerade die irreführende, falsche und/oder fehlende Berichterstattung in den Medien, denen er jetzt als Burda-Vorstandsmitglied angehört, zu diesen Verzweiflungstaten geführt hat, um Öffentlichkeitswirkung zu erreichen.
Offensichtlich ist sein Schluß, dass das amerikanische Bombardement Öl ins Feuer der radikalen Muslime gegossen hat, und diesen Gruppierungen damit gewaltigen Zulauf verschafft hat. Fragwürdig dagegen seine versuchte psychologische Interpretation von Osama bin Laden, da der "beste" amerikanische Beweis für dessen Beteiligung an dem angeblichen Anschlag auf das WTC aus einem offensichtlich gefälschten Video besteht. Enttäuschend für mich ist, dass er als ehemaliger Richter zurecht oft nach den Beweisen und Gründen fragt, jedoch die Schuld Osama bin Ladens als gegeben hinnimmt. Dabei ist es doch offensichtlich, dass die wahren Kriegsgründe Amerikas woanders lagen als in den Stories, die uns von gleichgeschalteten Medien aufoktroiert werden: Im Falle Afghanistans im Zugriff auf die Rohstoffvorräte am Kaspischen Meer, im Falle des Irak im Zugriff auf die weltgrößten oder zweitgrößten Ölvorkommen. Trotzdem er beides erwähnt, zieht er nicht den Schluß, dass die ganze Sache (WTC-Anschlag) inszeniert sein könnte. Als vorgegebener Kriegsgrund gegen den Irak wird von den USA auch immer wieder das angebliche Vorhandensein biologische Waffen angegen. Dazu spricht Graf Sponeck überdeutlich von (S. 190) "absurder Irreführung der Weltöffentlichkeit". Auch die angebliche Zusammenarbeit Saddam Husseins mit Al Quaide entlarvt Jürgen Todenhöfer als eine nicht minder schwere manipulative Propaganda der USA. Sein Fazit: Der Irak stellt bereits vor diesem Krieg für niemanden eine militärische Bedrohung dar, alles andere ist eine pure Lüge!
Auch dieser Buchbesprechung möchte ich wörtliche Zitate aus dem Werk anfügen, so z.B. über eine mögliche wirksame Anti-Terror-Strategie (S. 109-111): Wer den muslimischen Terrorismus besiegen will, muss sicherstellen, dass dieser nicht täglich neuen Zulauf aus dem riesigen Menschenpotential von 1,3 Milliarden Muslimen erhält. Das aber werden wir nur schaffen, wenn wir zeigen, dass wir nicht nur stärker sind als al Qaida, sondern auch gerechter und menschlicher. Wir brauchen gegen den internationalen Terrorismus keine militärische Koalition, wir brauchen eine moralische Koalition.
Eine kluge Strategie im Kampf um die Herzen der muslimischen Welt steht auf vier Säulen:

  1. Wir müssen in einen partnerschaftlichen Dialog mit der muslimischen Welt eintreten. Wir müssen anerkennen, dass es auch andere wertvolle Gesellschaftsmodelle gibt und dass uns diese in sozialen Fragen und Sinnfragen manchmal sogar überlegen sind.
    Wir müssen den Islam als gleichwertige Religion und Kultur respektieren - nicht in seiner fundamentalistischen Verformung, sondern in seiner von weit über 90 Prozent aller Muslime gelebten und geglaubten toleranten Form. Die Perversion einer Religion durch intolerante Fanatiker ist kein islamisches Problem. Auch das Christentum ist in seiner zweitausendjährigen Geschichte durch Menschen immer wieder bis zur Unkenntlichkeit verformt und als Waffe gegen andere missbraucht worden.

  2. Wir dürfen der muslimischen Weh nicht länger mit einer Politik der doppelten Moral entgegentreten. Die muslimische Welt hat nicht zu Unrecht den Eindruck, dass der amerikanische Präsident in seiner Außenpolitik mit zweierlei Maß misst. Dass er gegenüber Afghanistan und dem Irak andere Maßstäbe anlegt als gegenüber den Unrechtsregimen in Tadschikistan oder Usbekistan, weil er diese als militärische Verbündete braucht. Dass er seine militärischen Feinde bei Kriegsverbrechen vor Gericht stellt, militärische Verbündete ... jedoch mit Ministerposten belohnt. George W. Bush muss sich auch im Nahost-Konflikt viel stärker als bisher engagieren. Es ist an der Zeit, dass die gesamte arabische Welt das Existenzrecht Israels uneingeschränkt akzeptiert. Aber es ist auch an der Zeit, dass die amerikanische Regierung als ehrlicher Makler den Palästinensern zu einem eigenen lebensfähigen Staat verhilft. Sie muss fair sein gegenüber unseren israelischen Freunden, aber auch fair gegenüber den Palästinensern. Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Die amerikanische Führung hat sich im Nahen Osten einen gefährlichen diplomatischen Tiefschlaf geleistet.

  3. Die Führung der USA muss aufhören, den Antiterrorfeldzug mit den Mitteln des konventionellen Krieges zu führen und Städte und Dörfer zu bombardieren, sei es in Afghanistan, im Irak oder eines Tages im Iran. Wenn der Kampf gegen den Terrorismus, wie Präsident Bush gesagt hat, "der Kampf derer ist, die an Toleranz und Freiheit glauben", kann die bewusste Inkaufnahme des Todes von Zivilpersonen kein Mittel unserer Politik sein. Ich bin kein Pazifist und werde es nie sein. Aber ich plädiere dafür, dass die Grundsätze der Moral, des Recht und der Verhältnismäßigkeit nicht nur bei der Schaffung des nationalen Friedens, sondern auch bei der Schaffung des internationalen Friedens gelten. Ohne diesen Paradigmenwechsel werden wir den Terrorismus nicht besiegen. Wer Terror mit Terror bekämpft, erntet nicht weniger, sondern noch mehr Terror. Nihilismus kann man nicht mit Nihilismus überwinden, sondern nur mit Werten. Man kann sich eine gerechte Welt nicht zurechtbomben.

  4. Wir müssen unsere Entwicklungshilfe für gemäßigte muslimische Länder verstärken. Wir müssen unseren Krieg gegen die Armut führen, nicht gegen die Armen. Armut ist ein gefährlicher Nährboden für Terrorismus. Zwar stammen die führenden Köpfe des muslimischen Terrorismus, ähnlich wie die Vordenker der Französischen Revolution, häufig aus gebildeten, wohlhabenden Familien. Aber das Umfeld, das sie trägt, besteht aus leicht verführbaren, bettelarmen Menschen ohne jede Perspektive. Täglich verhungern auf der Welt 20 000 Kinder. Das scheint kaum jemanden zu stören. Als Terroristen am 11. September im World Trade Center fast 3000 Menschen ermordeten, sprach der amerikanische Präsident zu Recht von einem Anschlag gegen unsere Zivilisation. Warum aber hat noch nie ein amerikanischer Präsident oder ein deutscher Bundeskanzler gesagt, dass es ein Anschlag gegen unsere Zivilisation ist, wenn täglich 20 000 Kinder verhungern? Warum wachen wir immer erst auf, wenn aus Hunger, Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit Terrorismus entsteht?

Die unerbittliche Politik von George W. Bush dagegen hat gerade dazu geführt, dass dem Terrorismus Tür und Tor geöffnet wird (S. 128): Der eisenharte, unerbittliche Winston Churchill, der nie im Verdacht stand, Pazifist und Appeasementpolitiker zu sein, und den ich deshalb im Zusammenhang mit der Antiterrorstrategie der USA besonders gern zitiere, forderte einst: "Im Krieg Entschlossenheit, im Sieg Großmut." Das gilt auch heute noch.
Für Terroristen und Kriegsverbrecher gibt es keine mildernden Umstände. Sie müssen hart bestraft werden - aber wie Menschen, nicht wie Tiere. Bismarck hatte einst mahnend gesagt: "Die Politik hat nicht zu rächen, was geschehen ist, sondern dafür zu sorgen, dass es nicht wieder geschieht."
George W. Bushs bisheriger Antiterrorfeldzug hat einen dreifachen, verheerenden "Kollateral"-Schaden verursacht:

  • Er hat Tausende unschuldige Zivilpersonen das Leben gekostet und unzählige unbeteiligte Männer, Frauen und Kinder schwer verletzt.

  • Er hat die moralische Glaubwürdigkeit des Westens in der muslimischen Welt untergraben, den Terroristen die Argumente geliefert, die sie brauchen, und dadurch den muslimischen Terrorismus weltweit massiv gestärkt.

  • Und er hat den Gewaltherrschern dieser Welt mit seiner undifferenzierten Rhetorik den zynischen Vorwand geliefert, ihre politischen Gegner - vor allem wenn es sich um Muslime handelt - kurzerhand als Terroristen zu denunzieren und noch brutaler zu verfolgen als bisher.

Bush´s ungeschickte Rhetorik ist bereits berühmt, und es gibt sogar ein Bush mit einer Sammlung schwachsinniger Zitate von ihm. Einen solchen Mann als mächtigsten Mann der Welt zu haben, ist zweifellos eine grosse Gefahr für die Menschheit. Oft bezieht er sich in seinem "Kampf gegen den Terror" (der in Wirklichkeit das Streben nach einer neuen Weltordnung darstellt), auf die göttliche Hilfe. George W. Bush führt nach eigener Aussage einen "heiligen Krieg" und unterscheidet sich damit rhetorisch nicht von den radikalsten islamischen Gruppen. Während George W. Bush in dem Wahn lebt, der einzig wahren Religion anzugehören, zeigt sich der Islam wesentlich offener, der die Vielfalt der religiösen Wege als gottgewollte Ordnung ansieht.
Zum Thema des Irak-Kriegs läßt der Autor einen irakischen Studenten zu Wort kommen, der ihm (und mir) aus der Seele spricht: "Warum kritisiert ihr in Europa immer nur kleine Länder wie den Irak, warum habt ihr nie den Mut, den USA ihre doppelte Moral vorzuhalten? Wenn es den USA wirklich um Menschenrechte geht, warum lädt dann Präsident Bush den saudiarabischen Regenten Abdullah, der sein Land im finstersten Talibanstil regierte, auf seine Farm in Texas ein? Wenn es den USA wirklich um Rüstungskontrolle in der Region geht, warum rüsten sie dann unter Verletzung aller UN-Resolutionen Iraks Nachbarn Ägypten, Saudi-Arabien und Israel auf? Warum wird der Irak wegen der siebenmonatigen Besetzung Kuwaits seit 11 Jahren gnadenlos bestraft, während Großbritannien wegen seiner jahrelangen Besetzung Iraks auch nicht einen Tag lang mit Sanktionen belegt worden ist? Warum konzentrieren sich die USA im Nahen Osten seit Jahren auf den Irak, während sie den israelisch-palästinensischen Konflikt in einer Weise eskalieren lassen, die die ganze Region destabilisiert?"
Berechtigte Fragen - die vor allem die Medien angehen, denen der Autor angehört. Denn nicht die Fragen der Politiker sind interessant, sondern die Fragen, die das Volk stellt, als deren Vertreter sich die Politiker schon lange nicht mehr erwiesen haben! Doch genau diese Fragen des Volkes werden von den Medien ignoriert, und so entsteht z.B. im Irak ein falsches Bild unseres Landes! Warum solche Fragen von einem Studenten gestellt werden, warum gerade der "kleine Mann" schwer unter den Sanktionen leidet, beschreibt der Autor auf Seite 160: Die schlimmsten Jahre für die irakische Bevölkerung waren die Jahre 1991 bis 1996. Im ganzen Land herrschte eine kaum vorstellbare Hungersnot. Seit 1997 hat sich die Ernährungslage durch das "Öl-für-Nahrungsmittel-Programm" etwas verbessert. Das Programm erlaubt dem Irak, wieder offiziell Öl zu verkaufen. Die Erlöse gehen jedoch nicht an den Irak, sondern an die UNO, genauer gesagt an die Banque Nationale de Paris in New York.
Der Irak kann damit unter Kontrolle des von den USA dominierten UNO-Sanktionskomitees Lebensmittel, Medikamente und andere nichtmilitärische Güter kaufen. Außerdem werden mit einem Teil des Ölgeldes Reparationen an Kuwait und andere Staaten, Firmen und Personen bezahlt.
Der Irak erhält von den offiziellen Ölverkäufen nicht einen Cent zur freien Verfügung. Das hinderte Donald Rumsfeld nicht, in einem Focus-Interview im Stil eines orientalischen Märchenerzählers zum "Programm Öl für Nahrungsmittel" zu behaupten: "Wenn Sie sich ansehen, wohin das Geld aus den Ölverkäufen tatsächlich fließt, dann stellen Sie schnell fest: Davon kauft der Irak keine Nahrungsmittel für seine Bevölkerung." Rumsfeld weiß genau, dass das die Unwahrheit ist. Aber wo steht schon geschrieben, dass man über den Irak die Wahrheit sagen muss? In der Schlacht der Lügen ist offenbar alles erlaubt.
Seite 168 führt weiter aus: Kaum jemand interessiert sih für das Martyrium des irakischen Volkes. Kaum einer hatte wahrgenommen, dass ... bereits zwei Leiter des Öl-für-Nahrungsmittel-Programms aus Protest gegen die gnadenlosen Sanktionen zurückgetreten waren. Die Rollen der good guys und der bad guys waren so klar aufgeteilt, dass sie keine nachdenklichen Fragen zuließen. Wir waren das "Reich des Guten", der Irak war das "Reich des Bösen."
Kommen wir von den gnadenlosen amerikanischen Aktionen zu den Folgen des angeblichen WTC-Anschlags (S. 181/182): Der frühere amerikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger des Jahres 2002 Jimmy Carter hatte leider Recht, als er in der Washington Post unter der Überschrift "Das verstörende neue Gesicht Amerikas" anprangerte,

  • dass amerikanische Staatsbürger ohne Anklage und ohne Anwalt als "feindliche Kombattanten eingekerkert" würden,

  • dass die amerikanische Regierung sich gegenüber den gefangenen Taliban in Guantanamo ähnlich verhalte "wie Unrechtsregime, die frühere Präsidenten stets verurteilt hätten",

  • dass die amerikanische Regierung einen Angriff gegen den Irak fordere, obwohl "den USA von Bagdad zur Zeit gar keine Gefahr drohe" und

  • dass sie Abkommen über Atomwaffen, biologische Waffen, Umweltschutz und Folterschutz entgegen aller Traditionen der amerikanischen Außenpolitik schroff ablehne und die USA dadurch "zunehmend isoliere".

Edward Kennedy und Al Gore haben sich ähnlich kritisch geäußert. Nicht die Kritik an Bushs Kriegspolitik ist antiamerikanisch. Unamerikanisch, antiamerikanisch ist die Politik Bushs. Sie widerspricht fundamental den Idealen der amerikanischen Verfassung von Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde. Antibushismus ist nicht gleich Antiamerikanismus.
Dem Fazit des Autors, der mit einem Satz John F. Kennedys endet, kann ich uneingeschränkt zustimmen (S. 221): Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, sonst setzt der Krieg der Menschheit ein Ende.

Nicht so klar fällt das Fazit über das Buch aus: Jürgen Todenhöfer ist zweifellos ein brillianter Schriftsteller und versteht es, auf den Punkt zu formulieren. Trotzdem stellt er selten die wirklich interessanten Fragen, nämlich diejenigen, die außerhalb der einheitlichen, gleichgeschalteten Medien liegen. Insofern trägt dieses Buch nicht unbedingt zur Aufklärung bei, sondern kann als stark emotional gefärbter Appell gegen den Krieg gegen Zivilpersonen verstanden werden. Seine Argumentation geht oft knapp an den interessanten Themen vorbei, so dass ein unbedarfter Leser daraus nur wenig substantiell Neues gewinnen wird - möchte er den Leser gerade darauf nicht hinweisen?

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Wir Untertanen, Bernt Engelmann: Der heutige Geschichtsunterricht besteht meist aus einer Beschreibung dessen, was die Oberschicht, die oft nur 1 Promille der Bevölkerung ausmachte, "getrieben" hat. Für uns und unser Leben hat diese isolierte Betrachtungsweise keinerlei positiven Effekt, was sich darin zeigt, dass sich die Geschichte immer wieder wiederholt. Schon 1976 wurde dieses Buch von Bernt Engelmann erstmals verlegt, der die Geschichte "von unten" beschreibt, aus der Sicht derer, die wirklich die Paläste und Prunkbauten derjenigen gebaut haben, die in unseren Geschichtsbüchern erwähnt werden - aus der Sicht der oft wie Sklaven gehaltenen Unterschicht. Der Reichtum der damaligen Adeligen und Herrschenden wurde mit dem Aussaugen, Unterdrücken, Angst-Einjagen und oft auch mit dem Leben der Untertanen erstellt. Vor nicht allzulanger Zeit war das probate Mittel zur Unterdrückung die Bespitzelung, Folter und Willkür. Heute profitieren die Nachfahren der damaligen Herrschenden und Oberschicht (als wenige Beispiele von sehr vielen möglichen seien hier Turn und Taxis und Fugger genannt) über den Zinsmechanismus von dem unglaublichen Vermögen, das auf dem Blut der Untertanen erschaffen wurde - was zeigt, dass unsere Gesellschaft immer noch eine Feudalistische ist. Der Mensch des Mittelalters sah zu den Herrschenden auf, und nahm an, dass diejenigen, die ihn finanziell auspressen, auf eigene Verantwortung sein Leben aufs Spiel setzten - heute sorgt "Bild" dafür, dass viele nach wie vor die "Traumhochzeit" des Prinzenpaares "XY" bewundernd bestaunen, und nicht bemerken, dass sie bei jedem Kauf eines beliebigen Produktes - und den impliziten Zinsen - mit (derzeit - Tendenz steigend!) durchschnittlich 40 % des Preises diesen Prunk mit bezahlen.

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